Einleitung
Visuelle Politik ist eigentlich nicht zu übersehen, doch in unserer bildgeprägten Medienwelt sehen wir gerne darüber hinweg. Regierungen, Parteien und Politiker stellen sich selbst in mediengerechten Bildern dar, Politik und politische Themen werden nicht nur textlich sondern auch bildlich vermittelt.
Bilder sind überall. Schon an einem einzigen Tag begegnen wir tausenden Bildern im Internet, in Zeitungen, im Fernsehen und im öffentlichen Raum. Bilder können maschinell hergestellte Fotos oder von Menschen kreierte Zeichnungen sein, aber auch Bauwerke und Statuen werden von uns bildlich betrachtet. Bilder können von heute oder von gestern sein, sie können in die Zukunft weisen. Doch auch im Kopf glauben wir, Bilder zu erkennen – wenn wir nachdenken oder träumen greifen wir oft auf zuvor gespeicherte und kreierte Bilder zurück.
Bilder beeinflussen unser Denken, erzeugen Emotionen und begleiten unser Handeln. Die Bilderflut, die uns im Laufe unseres Lebens überströmt, kann nicht ohne Auswirkungen an uns und an der Politik vorüberziehen. Wir nehmen Bilder unterschiedlich wahr, nicht alle kennen alle Bilder, und dennoch greifen wir auf in unserem kollektiven Gedächtnis gespeicherte Bilder zurück.
Ein wichtiger Grund, darüber zu reflektieren. Nicht alle Bilder können hier behandelt werden sondern nur eine Auswahl von Bildern, die über unterschiedliche Bildträger verbreitet wurde. Es geht nicht um immaterielle Bilder bzw. Denkbilder, sondern um materielle Abbilder. Ästhetik hat bei dieser Betrachtung keine Bedeutung – die Frage, ob ein Bild schön ist oder nicht, können wir uns nur selbst beantworten.
Stellen wir doch Fragen an die Bilder. Wie und aus welchen Gründen ist ein Bild produziert worden (Bildentstehung)? Was ist in dem Bild zu sehen und was bedeutet es (Bildinhalt)? Was ruft das Bild hervor und welche Folgen sind zu sehen (Bildwirkung)? Keine einfach beantwortbare Fragen, doch diese sollen uns nicht scheuen, darüber nachzudenken.
Politik ist visuell und arbeitet mit Bildern. Die Inszenierung von Politik und die Zurschaustellung von Macht hat viel mit Bildern zu tun. Politik erzeugt Bilder, da sie weiß, dass sie beobachtet wird. Kampagnen versuchen ihre Kernaussagen mit Bildern zu unterstreichen und ihre politische Repräsentation ins rechte Licht zu rücken. Bildmedien bedienen sich visueller Politik – Themen werden dabei bebildert und verbildlicht. Sie lassen Bilder sprechen. In der Medienwelt kann der Nachrichtenwert durch Bilder gesteigert werden, Menschen nehmen Bilder schneller wahr als Text. Trotz der Möglichkeit digitaler Bildmanipulation werden Fotos noch immer gerne unhinterfragt als Beweis angeführt und können stärker Authentizität vermitteln als Text. Darüber hinaus lösen starke Bilder Emotionen aus. All das klingt verlockend für die Politik.
Die Website visuellepolitik.at ist eine Annäherung. Hier versuche ich mich einem Themenfeld zu nähern, das in der Politikwissenschaft trotz des immer mehr zitierten “pictorial turn” bisher nur sehr bescheiden behandelt wurde. Aktuelle Bilder werden genauso behandelt wie vergangene. Visuellepolitik.at ist ein Projekt, das ich aus privatem Interesse gestartet habe und mir durch die Beschäftigung mit visueller bzw. bildlicher Kommunikation der Politik selbst meinen Horizont erweitern möchte. Sie sind herzlich eingeladen, an Diskussionen teilzunehmen, Kommentare abzugeben, Fragen zu stellen oder Bilder vorzuschlagen. Sie können mir auch persönlich eine E-Mail schreiben. Das Impressum finden Sie hier.
Mein Name ist Martin Hieslmair. Seit 2007 studiere ich Politikwissenschaft an der Universität Wien in Österreich. Mein Interesse an politischen Bildern konnte ich bereits zuvor sieben Jahre lang als Informationsdesigner und leitender Bildredakteur bei ORF.at, Österreichs erfolgreichster Nachrichtensite, einsetzen. Jetzt nehme ich mir die Zeit, visuelle Politik näher zu betrachten. Mehr Informationen über mich finden Sie übrigens auf meiner persönlichen Website him.at.
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