Die Familie ist wieder hoch im Kurs. Zumindest in Großbritannien, ein Monat vor den Unterhauswahlen am 6. Mai 2010. Die Labour Party unter dem Spitzenkandidaten Gordon Brown setzt bei der Illustration ihres Wahlprogramms auf einen modern getrimmten Grafikstil, der an Propaganda-Plakate der Sowjetunion erinnern könnte. In dem sehr bunt gehaltenen Bild stechen vor allem drei Elemente hervor: Die Familie, die Sonne und die Landschaft.
Das Paradies auf Erden
Die in die Sonne blickende Familie entspricht einem Idealtyp – Vater, Mutter und zwei Kinder. Er in Blau, sie in Rot. Die Zukunft der beiden Kinder, eins davon noch ein Baby, scheint auf dem Spiel zu stehen. Auch wenn die Sonne vielleicht durch ihre überdimensionierte Größe an eine Atombombenexplosion erinnern könnte, vermittelt sie doch Hoffnung und Optimismus. Wolken werden an den Rand gedrängt, die heimatliche Natur steht im Vordergrund – die schmutzige Stadt ist nur mehr andeutungsweise im Hintergrund zu erkennen. Ein Paradies, dieses Wahlprogramm Labours?
Eine Partei für die Familie?
Gleichzeitig präsentiert Labour auf seiner Partei-Website einen animierten Kurzfilm, wie es ihn in den letzten Jahren immer öfter auf Videosite zu sehen gibt. Eine simpel gehaltene Schwarz-Weiß-Animation, gewürzt mit etwas Niedlichkeit.
Auch hier geht es um die Familie, wie der freundliche Sprecher des Videos erklärt:
“That’s Joe and his wife Jane. And their three kids Jack, James and Jill. You probably know them. They live just around the corner. And they’ve got plans.”
Labour präsentiert sich im Internet von seiner Sonnenseite – zumindest sollen die Bilder dies versprechen. Viele Briten werden sich das Wahlprogramm nicht wirklich durchlesen. Ein über Social Networks verbreiteter Videospot, so hoffen die Erfinder, soll die WählerInnen für Labour gewinnen und an eine schöne Zukunft denken lassen – am besten für alle Familienmitglieder.
"Wir erachten Bilder, also visuelle Eindrücke, kombiniert mit gesprochenen Erklärtexten, für die am besten geeignete Form, unsere liberale Programmatik leicht und verständlich darzustellen." | Helmut Metzner, FDP, Quelle: visuellepolitik.at | mehr...