visuellepolitik

31. März 2010
iPolitik – ein neuer Blickkontakt

Es war noch nie so einfach und kostengünstig wie heute, Bilder an das Volk zu bringen. Das Internet hat die Selbstdarstellungsformen der Politik um viele Facetten bereichert. Trockene Parteiprogramme und vernachlässigte Textbotschaften, mehr sollte es auch gar nicht sein, vor 15 Jahren. Kaum eine Partei oder politische Institution wollte sich diesem Spielzeug anfangs ernsthaft nähern. Man hatte zwar eine Homepage, doch in den 1990er Jahren kam es gerne auch vor, dass die Parteichefs selbst gerade nur die Internetadresse ihrer Partei-Website kannten.

Das Internet als Bilderbuch

Mit zunehmendem Interesse der Bevölkerung an dem neuen Informationskanal, wuchs auch das Interesse der Politik, sich selbst online zu inszenieren. Fanden am Anfang der Nullerjahre immer mehr Digitalfotos der eigenen Fotografen einen Platz auf der politischen Homepage, sind es heute mit Social Networks verlinkbare Videos in HD-Qualität, die eine Website erst so richtig multimedial machen, wenn dabei der Politiker selbst ausgewählte Fragen beantwortet, die zuvor per Videobotschaft von zuhause auf Sofas sitzenden Leuten eingesandt wurden. Faktum ist: WählerInnen und BürgerInnen können sich heute ein Bild der Politik machen, ohne auf von Medienhäusern vorsortierte Bilder angewiesen zu sein. Ob sie es auch tun, ist eine andere Frage.

Politik? There is an app for that.

Eine im Verhältnis zur Bevölkerung noch kleine Zahl an iPhone-BenutzerInnen kann sich seit Anfang 2010 mit eigenen “Apps” diese Selbstinszenierungen der Politik aufs eigene Smartphone laden. Im Jänner 2010 verkündete das Weiße Haus stolz, dass die “White House App” kostenlos im “App-Store” zur Verfügung steht. Zwei Monate später hatte auch die Downing Street Number 10 in London ein “official app” im Angebot.


Video auf Youtube ansehen

So aufregend die Musik dieses Youtube-Werbespots der britischen Regierung auch ist, so unaufregend sind auch diese Apps, die wahrscheinlich in naher Zukunft auch andere Regierungen und Parteien einführen werden. Grob gesprochen handelt es sich jedoch um nichts anderes als einen Aggregator, der sämtliche Inhalte des bereits bestehenden Webauftritts in handflächengroße Häppchen serviert, ohne sich im Browser des Smartphones beim Zoomen die Finger brechen zu müssen. Unattraktiv, wie viele Webexperten meinen – dennoch laden viele diese Apps, wenn auch nur aus anfänglicher Neugier.

Was können diese Apps?

Wie sieht sie nun aus, die iPolitik des Jahres 2010? Sowohl die USA als auch Großbritannien bieten “Nachrichten” ihrer Website an, illustriert mit einem Foto. Der Zwang, zu jeder Meldung auch ein Foto hinzufügen zu müssen, fällt der Downing Street momentan noch etwas schwer – zahlreich fügt sie das Symbolfoto der schwarzen Eingangstür beinahe jeder zweiten Meldung hinzu. Die USA ist da etwas professioneller unterwegs. Videos gibt es bei beiden, das Weiße Haus jedoch auch mit Livestream bei Pressekonferenzen – das zuvor für Podcasts vorgesehene Material wird hier einfach weiterverarbeitet. Ein echter Mehrwert im Vergleich zur Homepage ist da nicht wirklich zu erkennen.

Bilder im Mittelpunkt

Bilder, und hier wird es für die visuelle Politik nochmal interessant, werden zuhauf als Bildergalerien dargestellt. Wie auch bei ihren Auftritten auf Flickr können hier gewünschte Einblicke in die Arbeit der PolitikerInnen gezeigt werden – mit dem Unterschied, dass Bilder hier sehr prominent als eigener Menüpunkt präsentiert werden. Da kann ein Obama schon mal seinem Vize zulachen oder ein Brown seine Volksnähe bei einem Besuch in einer Schule demonstrieren. Idealbilder einer Politik, die neben Medien nun auch direkt den BürgerInnen zur Verfügung gestellt werden. Ein Hofmaler hätte sich damals über diese Art der Aufwertung von Bildern sehr gefreut. Umso wichtiger scheint es heute, sich mit dem Visuellen der Politik zu beschäftigen.

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"Bilder taugen nicht nur zur Verzierung von Politik."Benjamin Drechsel, Quelle: Politik im Bild (2005)  | mehr...

 

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